Hält Franks Buch dem eigenen Maßstab stand? Der KI-Dschungel auf dem Prüfstand
Heute liegt kein Anbieterversprechen auf dem Tisch, sondern Franks eigenes Buch: „Führung, Verantwortung und der KI-Dschungel“. Tina hat das Manuskript gelesen und alle sechzehn Zahlen darin gegen ihre Quellen geprüft, so wie es das Buch in Kapitel 1 von jedem Unternehmer verlangt. Zwölf stimmen...
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- Nachgetragen, in eigener Sache: Vier Stellen im Manuskript halten der Prüfung nicht stand. Salesforce meldet für KI-Agenten 8,7 statt 8,5 Prozent im Vorjahr. KPMG spricht von „deutschen Unternehmen“, nicht von „Großunternehmen“ (653 Entscheider aus 18 Branchen). Das „Viertel“ bei Stifterverband und McKinsey ist der Anteil mit einer Strategie für KI-Kompetenzen, nicht der Grad der Potenzialnutzung (86 Prozent schöpfen es „nur in geringem Maße“ aus). Und seit dem AI Omnibus (in Kraft 27. Juli 2026) gelten die Hochrisiko-Pflichten erst ab 2. Dezember 2027 bzw. 2. August 2028; Kompetenzpflicht (seit 2. Februar 2025) und Kennzeichnungspflicht (seit 2. August 2026) bleiben
- Nachgemessen: Das Buch eröffnet mit Bitkom, 41 Prozent der Unternehmen nutzen KI, Vorjahr 17 Prozent (Pressemitteilung „Digitalisierung der Wirtschaft“, 11. März 2026, 604 Unternehmen ab 20 Beschäftigten, Feldzeit Kalenderwoche 2 bis 6). Am 14. September 2026 meldet Bitkom in seiner KI-Studie 57 Prozent, Vorjahr 36 Prozent (603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten, Feldzeit Kalenderwoche 28 bis 33). Beide Zahlen sind richtig. Anderer Fragebogen, ein halbes Jahr Abstand, andere Stichprobe. Welcher Unterschied wie viel erklärt, sagt Bitkom nicht. Messart beider Reihen: Selbstauskunft, telefonisch
- Die Lehre: Eine Zahl ohne Reihe ist keine Zahl. Wer hat gefragt, wann, und wen. Das Buch schreibt „laut Bitkom“ und nennt die Reihe nicht. Das kommt vor dem Druck rein
- Aus der neuen KI-Studie: 66 Prozent der Unternehmen schätzen die KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten als gering ein, 25 Prozent bieten keinerlei Schulung an (Vorjahr 43 Prozent)
- Was im Buch steht: drei Phasen. Standort bestimmen (Kapitel 1 bis 6), die Reise mit dem Kompass (Kapitel 7 bis 11), Ankommen mit dem 90-Tage-Kompass (Kapitel 12). Am Ende jedes Kapitels „Am Lagerfeuer“: Sicht, Geschichte, Tipp. Kernthese: Die KI-Revolution ist in Wahrheit eine Führungsfrage
- Nachgefragt: Warum ein Buch über KI, wenn jede Woche ein neues Werkzeug kommt? Ist das Buch nach vier Nachträgen fertig? Welche der beiden Bitkom-Zahlen gehört in die Vorstandsvorlage? Und wer prüft die Maschine, die das Buch geprüft hat?
- Das Lagerfeuer: Der Fall aus Kapitel 1. Eine KI nennt den Wettbewerberpreis mit 45.000 Euro, tatsächlich waren es knapp 70.000. Daraus wurde der Prüf-Reflex, und der gilt heute für den Autor selbst
- Drei Schritte für diese Woche, ohne Budget: zur letzten KI-Zahl in der Vorlage Reihe, Datum und Befragte notieren; in der Kaffeeküche statt per Rundmail fragen, wo KI schon mitarbeitet; einen Menschen mit Namen für die Kompetenzpflicht benennen
- Die Prognose der Folge, geführt in unserem Mess-Sheet: In der Bitkom-KI-Studie im September 2027 schätzen weiterhin mehr als 50 Prozent der Unternehmen die KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten als gering ein (2026: 66 Prozent). Stellt Bitkom die Frage anders oder gar nicht, gilt die Prognose als nicht auflösbar
Quellen
- Bitkom, Presseinformation „Digitalisierung der Wirtschaft: Fast jedes Unternehmen beschäftigt sich mit KI“, 11. März 2026: Quelle öffnen
- Bitkom, Presseinformation „Erstmals nutzt die Mehrheit der Unternehmen KI“, 14. September 2026: Quelle öffnen
- Bitkom, Presseinformation „Durchbruch bei Künstlicher Intelligenz“, 15. September 2025: Quelle öffnen
- Bitkom, Presseinformation zur KI-Nutzung von Erwerbstätigen, 5. Mai 2025 (10 Prozent nutzen KI ohne Wissen des Arbeitgebers): Quelle öffnen
- Salesforce und Deutscher Mittelstands-Bund, KI-Index Mittelstand 2026, 12. März 2026: Quelle öffnen
- Stifterverband und McKinsey, „KI-Kompetenzen in deutschen Unternehmen“, Januar 2025 (PDF): Quelle öffnen
- Deloitte, Pressemitteilung „Deutsche Unternehmen optimieren mit KI, transformieren aber noch nicht“, 20. März 2026: Quelle öffnen
- KPMG, Pressemitteilung „Aus Kür wird Pflicht: 91 Prozent der deutschen Unternehmen sehen KI als geschäftskritisch an“, 5. Juni 2025: Quelle öffnen
- KPMG und University of Melbourne, „Trust, attitudes and use of artificial intelligence: A global study 2025“ (PDF, 48.340 Befragte in 47 Ländern): Quelle öffnen
- Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung), Art. 4 und Art. 113: Quelle öffnen
- Frank Wichert, „Führung, Verantwortung und der KI-Dschungel“, Manuskript, Stand Juni 2026, noch nicht erschienen
Transkript
Vollständiger Wortlaut der Folge, 9222 Zeichen. Beide Stimmen im Podcast sind KI-generiert, auch die von Frank Wichert. Die Gedanken und die Worte sind seine.
[warm] Frank, heute liegt kein fremdes Versprechen auf dem Tisch. Heute liegt Ihr Buch da. Führung, Verantwortung und der KI-Dschungel. Ich habe es gelesen. Ganz.
Dann wissen Sie, was drinsteht. Und ich ahne, was Sie damit gemacht haben.
Das, was Sie in Kapitel eins von jedem Unternehmer verlangen. Den Prüf-Reflex. Eine Zahl, eine Quelle, eine Annahme gegenprüfen, bevor sie in eine Entscheidung wandert. Ich habe alle sechzehn Zahlen im Buch gegen ihre Quellen gelesen.
Sechzehn. Und?
Zwölf stimmen Wort für Wort. Vier tragen wir gleich nach. Und eine, die stimmt, ist trotzdem die spannendste. Die kommt in Nachgemessen.
[thoughtful] Wer sein eigenes Buch nicht nachmessen lässt, darf von niemandem verlangen, die Zahl seines Anbieters nachzumessen. Also los. Erst die Nachträge.
Nachgetragen, heute in eigener Sache. Erstens, eine Nachkommastelle. Der KI-Index Mittelstand von Salesforce. Im Buch stieg der Einsatz von KI-Agenten von acht Komma fünf auf sechzehn Komma sechs Prozent. In der Mitteilung steht acht Komma sieben.
Zwei Zehntel. Ändert nichts an der Aussage, aber falsch abgeschrieben ist falsch. Kommt raus. Zweitens?
Zweitens, ein Wort. Im Buch halten neun von zehn Großunternehmen KI für geschäftskritisch, nach KPMG. KPMG schreibt: einundneunzig Prozent der deutschen Unternehmen, gut sechshundert Entscheider aus achtzehn Branchen. Großunternehmen steht dort nicht. Das Wort kommt aus Artikeln über die Studie.
Aus zweiter Hand. Genau der Fehler, vor dem Kapitel vier warnt. Drittens?
Drittens, ein Viertel. Das Buch sagt, das KI-Potenzial werde nur zu einem Viertel genutzt. Die Studie von Stifterverband und McKinsey sagt: sechsundachtzig Prozent schöpfen es nur in geringem Maße aus. Und ein Viertel hat eine Strategie für KI-Kompetenzen. Das Viertel gehört zur Strategie, nicht zur Nutzung.
Zwei Sätze aus einer Studie, in meinem Kopf zu einem geworden. Die neunundsiebzig Prozent daneben stimmen?
Die stimmen. Neunundsiebzig Prozent der Führungskräfte sagen, ihren Beschäftigten fehlen grundlegende KI-Kompetenzen. Viertens, die Fristen. Das Manuskript sagt, ab August griffen weitere Pflichten der KI-Verordnung. Seit Ende Juli gilt der Omnibus. Hochrisiko kommt erst Ende siebenundzwanzig und Mitte achtundzwanzig. Kompetenzpflicht und Kennzeichnungspflicht bleiben.
Das Buch sagt dort selbst: bitte aktuellen Stand prüfen. Jetzt hat es jemand getan. Alle vier kommen vor dem Druck rein.
Und jetzt die Zahl, die stimmt und trotzdem die spannendste ist. Das Buch eröffnet mit ihr. Einundvierzig Prozent der Unternehmen setzen KI ein, vor einem Jahr waren es siebzehn. Quelle Bitkom, März dieses Jahres.
Die Zahl habe ich dreimal geprüft. Die stimmt.
Sie stimmt. Am vierzehnten September, eine Woche vor dieser Folge, meldet Bitkom: Erstmals nutzt die Mehrheit der Unternehmen KI. Siebenundfünfzig Prozent.
Von einundvierzig auf siebenundfünfzig in einem halben Jahr?
[curious] Nein. Und das ist der Punkt. Die siebenundfünfzig haben ein eigenes Vorjahr: sechsunddreißig. Die einundvierzig haben ihres: siebzehn. Zwei Reihen, beide von Bitkom, beide rund sechshundert Unternehmen ab zwanzig Beschäftigte, beide telefonisch.
Dann messen Sie mir den Unterschied.
Reihe eins heißt Digitalisierung der Wirtschaft, befragt im Januar, fragt breit nach Technologien. Reihe zwei ist die eigentliche KI-Studie, befragt im Sommer. Anderer Fragebogen, ein halbes Jahr Abstand, andere Stichprobe. Welcher Unterschied wie viel erklärt, sagt Bitkom nicht.
Und im Vorjahr: sechsunddreißig gegen siebzehn. Für dasselbe Jahr.
Wer die kleine Zahl zitiert hat, konnte eine Verdopplung erzählen. Wer die große zitiert hat, einen Durchbruch. Beide hatten eine Bitkom-Quelle, und beide hatten recht.
[thoughtful] Das heißt, mein Buch hat richtig zitiert und trotzdem etwas ausgelassen. Die Reihe.
Genau das. Im Manuskript steht: laut Bitkom. Nicht: laut welcher Erhebung. Und dann heißt es, der Anteil habe sich in einem Jahr mehr als verdoppelt. In der Breitenreihe stimmt das. In der KI-Studie stieg er von zwanzig auf sechsunddreißig. Viel, aber nicht verdoppelt.
Was heißt das für jemanden, der morgen eine Vorstandsvorlage schreibt?
Dass eine Zahl ohne Reihe keine Zahl ist. Wer hat gefragt, wann, und wen. Fehlt eine Angabe, kann der Vorstand sie nicht prüfen. Dann glaubt er sie.
Und welche der beiden nehme ich?
Die, deren Frage zu Ihrer Frage passt. Wie viele Unternehmen KI unter ihren Technologien führen: die Breitenreihe. Wie tief KI im Betrieb steckt: die KI-Studie. Und nennen Sie die Reihe. Immer. Beide stehen ab heute im Mess-Sheet.
Dann halten wir fest, ohne Vorwurf an den Verband. Zwei Reihen, zwei Zahlen, beide sauber. Unsauber wird es beim Zitieren. Auch bei mir.
Und in der neuen KI-Studie stehen zwei Zahlen, die ins Buch gehören. Sechsundsechzig Prozent schätzen die KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten als gering ein. Und jedes vierte Unternehmen bietet keine Schulung an. Im Vorjahr fast jedes zweite. Es bewegt sich. Langsam.
Das ist Kapitel elf. Führung muss man lernen. Und offenbar auch das Zitieren.
Wie ordnen Sie das ein? Ein Buch über Führung, und die Maschine findet vier Stellen.
Als Beleg für die These des Buchs: Die KI-Revolution ist in Wahrheit eine Führungsfrage. Der zweite Chef sitzt schon am Tisch. Und Führung heißt nicht, alles zu wissen. Führung heißt, sich prüfen zu lassen.
Das Buch hat drei Phasen.
Standort bestimmen, ehrlich und ungeschönt. Die ersten sechs Kapitel: der zweite Chef, kein IT-Problem, die Hype-Falle, Blindflug bei den Daten, der KI-Beauftragte, den es nicht gibt, die eigentliche Krise heißt Führung. Dann die Reise mit dem Kompass. Und Ankommen: Ihr Plan für neunzig Tage.
Und am Ende jedes Kapitels das Lagerfeuer.
Meine Sicht, eine Geschichte, ein Tipp. Weil der Lehrtext nicht alles trägt. Und wissen Sie, was ich heute gelernt habe? Der Blindflug bei den Daten fängt beim Autor an. Ich habe ein Wort aus einem Artikel übernommen, weil es plausibel klang.
Dann Nachgefragt. Die naheliegende Frage: Warum ein Buch über KI, wenn jede Woche ein neues Werkzeug kommt?
Weil das Buch kein Werkzeug erklärt. Kein einziges. Es erklärt, was sich in der Führung verschiebt, wenn die Maschine das Schnelle übernimmt. Das veraltet nicht mit dem nächsten Modell. Die Zahlen darin schon.
Die kritische Frage: Vier Nachträge vor dem Druck. Ist das Buch dann fertig?
Nein. Und das war es vor dieser Folge auch nicht, ich wusste es nur nicht. Ein Manuskript, das durch eine Prüfung geht, wird besser. Eines ohne Prüfung bleibt, wie es ist.
[curious] Die praktische Frage: Bitkom sagt einundvierzig und siebenundfünfzig. Welche Zahl kommt in meine Vorstandsvorlage?
Beide, mit Reihe und Datum. Und dann der Satz, der wichtiger ist als beide: Wie viele bei uns? Die Zahl aus dem eigenen Haus schlägt jede Zahl aus dem Verband.
Und die unbequeme Frage. Der zweite Chef ist eine Maschine. Die Maschine, die Ihr Buch geprüft hat, haben Sie selbst gebaut, und sie spricht hier mit Ihrer Stimme. Wer prüft die?
[thoughtful] Sie. Jeder, der die Shownotes aufmacht, da stehen alle Quellen mit Datum. Und ich habe die vier Nachträge selbst am Original gelesen. Eine Maschine, die prüft, wird geprüft. Sonst ist sie der nächste Prophet mit Abo.
Dann ans Lagerfeuer. Diesmal aus dem Buch, Kapitel eins.
Ein Teamleiter soll ein Angebot kalkulieren und fragt die KI, was der Wettbewerber für ein vergleichbares Projekt aufruft. Die Antwort kommt selbstbewusst: rund fünfundvierzigtausend Euro, mit schöner Begründung.
Und tatsächlich?
Knapp siebzigtausend. Beinahe wäre die Zahl so ins Angebot gewandert. Sie klang plausibel. Erst ein Kollege, der den Wettbewerber kannte, hat gestutzt.
Was ist daraus geworden?
Der Prüf-Reflex. Eine Zahl, eine Quelle, eine Annahme gegenprüfen, bevor sie in eine Entscheidung wandert. Kostet Minuten, spart im Zweifel fünfundzwanzigtausend Euro.
Und heute?
Heute stand ich auf der anderen Seite. Mein Manuskript war das Angebot, Sie der Kollege, der gestutzt hat. Der Fall war kein Pech, er war ein Muster. Und es macht vor dem Autor nicht halt.
Drei Schritte für diese Woche. Ohne Budget.
Erstens: Nehmen Sie die eine KI-Zahl aus Ihrer letzten Vorlage und schreiben Sie daneben: wer hat gefragt, wann, wen. Fehlt eines, ist die Zahl nicht vorlagenreif.
Zweitens: Fragen Sie in der Kaffeeküche, nicht per Rundmail, wo KI bei Ihnen schon mitarbeitet. Offen und heimlich. Neugierig, nicht prüfend.
Drittens: Benennen Sie einen Menschen, der für die Kompetenzpflicht zuständig ist. Mit Namen. Eine Pflicht ohne Zuständigen wird nicht erfüllt, sie wird nur verletzt.
Dann die Prognose der Woche, Kriterien im Mess-Sheet.
Bitkom hat gefragt, wie Unternehmen die KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten einschätzen. Sechsundsechzig Prozent sagten: gering. Meine Prognose: Fragt Bitkom im September nächsten Jahres wieder, sind es immer noch über fünfzig Prozent. Kompetenz kommt langsamer als Software.
Stellt Bitkom die Frage anders oder gar nicht, ist die Prognose nicht auflösbar. So steht es im Mess-Sheet.
Bleibt die Titelfrage. Hält Franks Buch dem eigenen Maßstab stand? Ja, mit vier Nachträgen. Zwölf von sechzehn Zahlen stimmen, und die Kernthese ist keine Zahl.
Die KI-Revolution ist eine Führungsfrage. Und Führung fängt damit an, dass man sich nachmessen lässt. Das gilt für Ihren Anbieter. Und für mich.